Albaner-Lobby empört sich über Serben im Kosovo

28Jul11

Ein brennender Grenzübergang und Schüsse auf NATO-Soldaten im Kosovo – die Ereignisse am Mittwoch kamen für einige Serben-Hasser gerade recht, um ihr Weltbild wieder ins rechte Licht zu rücken. Eine besonders verwerfliche Rolle spielen dabei Journalisten, deren eigentliche Aufgabe es ist, als Informationsvermittler Klarheit in komplizierte Sachverhalte zu bringen.

Stattdessen neigen einige  Medien-Agitatoren zu dem seit Anfang der 90er konstruierten Schwarz-Weiß-Bild: Da sind die „Kosovaren“, die sich mit den Grenzposten im Norden lediglich holen, was ihnen zusteht. Und da sind die nationalistischen Kosovo-Serben, die angestachelt von der Regierung in Belgrad, keine Einsicht zeigen und den labilen Frieden bedrohen.

Schon der Begriff Kosovaren ist Nebelwerferei. Würde man ihn konsequent anwenden, stünde er für  alle Bewohner des Kosovo, also auch für die serbische Minderheit. Folglich wäre der Konflikt im Norden ein Konflikt zwischen verschiedenen ethnischen Gruppen von Kosovaren. Doch einige Journalisten und Politiker nutzen den Begriff lieber, um die Öffentlichkeit für dumm zu verkaufen. Der Begriff Kosovare wird als Synonym für die Mehrheitsbevölkerung der 90% Albaner genutzt. Da Albaner bereits einen eigenen Nationalstaat haben, verschafft es ihnen im Konflikt mit der serbischen Minderheit mehr Legitimität, sie als Kosovaren zu bezeichnen. Zugleich wird damit erreicht, die Serben zu Fremdkörpern oder gar Besatzern des Kosovo zu definieren, obgleich sie dort seit Jahrhunderten ihre Heimat haben.

Der Gipfel der medialen PR-Kampagne für Priština ist nun, nach der jüngsten Eskalation an den Grenzposten die Fakten zu verdrehen. Die Führung des Kosovo hat ohne internationale Absprachen schwerbewaffnete Polizisten in ein Gebiet geschickt, in dem sie noch nie etwas zu melden hatte. Die Grenzposten wurden seit der Unabhängigkeitserklärung fast durchweg von internationalen Truppen und serbischen Polizisten besetzt, davor sowieso. Der ganze Norden des Kosovo mit dem Gebiet der serbischen Minderheit ist aufgrund entsprechender Absprachen mit KFOR, Eulex und UNMIK für kosovo-albanische Einheiten tabu.

International hat der Kosovo eine sehr begrenzte Legitimität. Nicht einmal die Hälfte der Weltgemeinschaft erkennt dieses unter NATO-Aufsicht entstandene Konstrukt an, auch in der EU gibt es darüber Streit. Die Rechtslage ist also alles andere als klar. Wenn manche Journalisten den Eindruck erwecken, es sei eine Selbstverständlichkeit, dass die Kosovo-Führung sich nun auch den Norden holt, zeigt das eine sehr einseitige Sichtweise des Konflikts. Offensichtlich ist einigen Kosovo-freundlichen Pressevertretern auch die scharfe Reaktion der EU auf den neuen Vorstoß Prištinas entgangen. Sie waren wohl zu beschäftigt mit dem „Heldengedenken“ für den bei der Polizeiaktion getöteten albanischen Beamten.

Der Zollstreit mit Serbien wäre problemlos zu lösen gewesen, wenn der Kosovo an seinen nördlichen Grenzstellen seine Waren weiterhin unter dem Label UNMIK exportiert hätte. Stattdessen bringt die Albaner-Führung einen eingefrorenen Konflikt mit ihrer serbischen Minderheit wieder zur Eskalation, in dem sie in deren Siedlungsgebiet bis an die Zähne bewaffnete Eliteeinheiten schickt.

Der von der Kosovo-Führung geplante Importstopp für serbische Waren bedeutet praktisch, dass Zehntausende Serben von der Versorgung abgeschnitten werden. Denn für sie stellen die Straßen über die Grenzposten eine wichtige Lebensader dar. Kein Wunder also, dass die Kosovo-Serben sich in ihrer Existenz bedroht sehen und zur Wehr setzen. Die meisten übrigens – auch das geht vielfach unter – mit friedlichen Mitteln.

Falko Wittig



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