Angesichts des drohenden Machtverlustes bei den Serbischen Parlamentswahlen am Sonntag wirbt die Demokratische Partei (DS) von Präsident Boris Tadić jetzt auch um das Lager der Sozialistischen Partei Serbiens (SPS). Dabei handelt es sich ausgerechnet um die Partei, die von 1990 bis zum Umsturz 2000 in Serbien autoritär quasi als Staatspartei regierte. Ihr Vorsitzender war der im Den Haager Kriegsverbrecher-Gefängis in Untersuchungshaft gestorbene langjährige serbische und jugoslawische Präsident Slobodan Milošević.

Da das Tadić-Lager, das einen EU-freundlichen Kurs verfolgt, die Parlamentswahlen letzten Umfragen zufolge nicht mehr gewinnen kann, scheint man sich zum Zwecke des Machterhalts auch mit den Milošević-Erben einzulassen, die all die Jahre bekämpft wurden.

Im serbischen Staatsfernsehen RTS buhlte Tadić um die Gunst der Sozialisten, die im Bündnis mit zwei kleineren Parteien sicher ins neue Parlament einziehen werden. Lediglich eine Zusammenarbeit mit dem Haager Kriegsverbrechertribunal stellte Tadić als Bedingung für eine Regierungsbildung. Wenn die SPS dies akzeptiere, zeige es, dass die Milošević-Partei die Politik überwunden habe, die von ihr während der 90er-Jahre verfolgt worden sei. Damals war Serbien als Teil Jugoslawiens in die Kriege in Slowenien, Kroatien und Bosnien verwickelt. 1999 folgte der Krieg der NATO gegen die serbisch dominierte Bundesrepublik Jugoslawien um das Kosovo.

Das offene Werben von Tadić um die Milošević-Erben zeigt die pure Verzweiflung des EU-freundlichen Lagers. Die SPS dürfte sich davon auch wenig beeindruckt zeigen. Denn politisch hat sie mit dem Lager der EU-kritschen Kräfte aus Serbischer Radikaler Partei und dem DSS-NS-Parteienbündnis von Regierungschef Vojislav Koštunica wohl weitaus mehr gemeinsame Interessen.