Die Auseinandersetzung um die Zukunft der serbischen Provinz Kosovo ist auch eine mediale Propagandaschlacht. Von kritischem Journalismus kann bei vielen westlichen Journalisten nur in einer Richtung die Rede sein, wenn es gegen die serbische Regierung in Belgrad geht, insbesondere den unbotmäßigen Regierungschef Vojislav Kostunica.

Viele Journalisten gefallen sich zugleich darin, als willige Werkzeuge von EU und NATO die völkerrechtswidrige Politik im Kosovo medial zu flankieren und propagandistisch Rechtfertigungen unters Volk zu bringen. Eine kritische Darstellung der Ereignisse hinsichtlich ihrer völkerrechtlichen Legitimität findet faktisch nicht statt. Ein Verhalten, was in der Kontinuität von 17 Jahren antiserbischer Berichterstattung steht.

Aus gegebenem Anlass dokumentiert balkanblick, mit welchen Begriffen in vielen Medien Propaganda gemacht wird.

proeuropäisch:

Mit diesem Etikett werden politische Kräfte in Serbien versehen, die der Kosovo-Politik der EU wohlgesonnen bis neutral gegenüberstehen und eine weitere Annäherung an Brüssel wünschen. Dazu gehören von den großen Parteien in Serbien die DS, die G17 plus und die LDP.

antieuropäisch:

Mit diesem Etikett werden politische Kräfte in Serbien versehen, die der Kosovo-Politik der EU ablehnend gegenüberstehen und deshalb auch derzeit keine weitere Annäherung an Brüssel wünschen. Dazu gehören die DSS, die SRS und die SPS. Der Begriff ist völlig irreführend und dient der gezielten Diffamierung dieses politisch durchaus heterogenen Lagers. Diese Parteien sind keineswegs pauschal gegen die EU eingestellt und schon gar nicht gegen Europa. Allerdings lehnen sie die aktuelle Politik der EU gegenüber Serbien ab und streben daher eher eine Entwicklung an, die entweder auf eine Neutralität Serbiens wie im Tito-Jugoslawien setzt oder auf eine Annäherung an Russland. Da aber auch Russland ein europäischer Staat ist, ist die Charakterisierung „antieuropäisch“ schlicht Volksverdummung.

Kosovaren:

Etikett, mit dem die Existenz einer (multiethnischen) kosovarischen Bevölkerung suggeriert wird. Dient dazu, die Vorherrschaft der Albaner zu vernebeln, die mittlerweile über 90 Prozent der Bevölkerung stellen und alle Schalthebel der Macht in der Hand haben. Gerne wird der Begriff auch verwendet in der Wortwahl „Kosovaren und Serben“, um die serbische Bevölkerung, eine der sechs anerkannten Volksgruppen im Kosovo und stärkste ethnische Minderheit, in der Provinz als Fremdkörper beziehungsweise (ehemalige) Besatzer darzustellen.

Radikalreformer:

Mit diesem Etikett schmücken einige Journalisten, darunter der Belgrader dpa-Korrespondent Thomas Brey, den LDP-Chef Cedomir Jovanovic. Jovanovic zeichnet sich in seinen Äußerungen dadurch aus, dass ihm die Serben im Kosovo und das Kosovo an sich egal sind und er Serbiens Regierungschef Kostunica als zweiten Milosevic verunglimpft. Seine politischen Ziele bestehen darin, EU und USA möglichst jeden Wunsch von den Lippen abzulesen. Der großen Mehrheit der serbischen Bevölkerung dürfte Jovanovic eher als hemmungsloser Opportunist oder gar Hochverräter gelten.

Nationalist:

Etikett für den serbischen Regierungschef Kostunica und serbische Kräfte, die sich gegen die Unabhängigkeit des Kosovo wenden. Soll ihnen ein übersteigertes Nationalgefühl unterstellen und ihren Widerstand gegen die völkerrechtswidrige Abspaltung der Provinz diskreditieren. Diese Bezeichnung ist besonders absurd für Kosovo-Serben, die durch die einseitige Unabhängigkeitserklärung der Albaner erst zu Fremden im eigenen Land geworden sind.

Ultranationalist:

Steigerung des Nationalisten. Wird als Etikett gerne für die stärkste serbische Partei SRS und ihre Politiker benutzt. Der Logik nach müsste die zur Volkgruppe der Roma gehörende Sängerin und vorjährige Grand Prix-Siegerin Maria Serifovic auch eine Ultranationalistin sein, denn sie unterstützte den SRS-Spitzenkandidaten Tomislav Nikolic im Wahlkampf für die serbischen Präsidentenwahlen.

…wird bei gegebenem Anlass fortgesetzt.



One Response to “Anti-Serbisches Propagandalexikon”  

  1. 1 sajkaca

    Bravo!
    Es ist so leicht durchschaubar wie im Westen über Serbien berichtet wird!
    Wahrscheinlich müssen Journalisten nun eine Steigerung des Wortes „UltraNationalist“ erfinden, um über Milorad Cavic zu berichten. :-)


Leave a Reply

You must log in to post a comment.